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Regionaler Arbeitskreis „Sexualisierte Gewalt“

Die Idee

Der „Regionale Arbeitskreis Sexualisierte Gewalt“ resultiert unmittelbar aus der Auswertung der im Forschungsprojekt „Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung“ geführten Interviews mit Fachkräften der Hilfen zur Erziehung aus der Region. In diesen Gesprächen wiesen die interviewten Personen an verschiedenen Stellen auf Dilemmata hin, in denen sich im Rahmen ihrer täglichen Arbeit befinden. Insbesondere fehlten ihnen Möglichkeiten, sich über ihr Handeln im Kontext sexualisierter Gewalt auszutauschen und dieses zu professionalisieren. Um auf Wünsche zu reagieren, initiierte die Forschungsgruppe die Gründung des „Regionalen Arbeitskreises Sexualisierte Gewalt“. Das Auftakttreffen des Arbeitskreises fand im November 2017 statt, ab Februar 2018 schließen sich daran Treffen im Abstand von etwa zwei bis drei Monaten an.

 

Teilnehmende

Der RAK versteht sich vorrangig als Angebot für Fachkräfte der ambulanten Erziehungshilfen, insbesondere SPFH und Erziehungsbeistandschaft.
Bisher hat sich eine Gruppe von ca. acht bis neun Fachkräften freier Träger und der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe zusammengefunden, um sich im Rahmen des RAKs miteinander auszutauschen. Die Teilnehmenden verstehen sich als offener Zusammenschluss, der perspektivisch nicht nur anderen Fachkräften freier Träger zugänglich sein soll. Denkbar ist ebenfalls ein interdisziplinärer Austausch mit Expert_innen aus angrenzenden Tätigkeitsfelder, wie bspw. Therapeut_innen und Ärzt_innen.
Bei Interesse an einer Mitarbeit wenden Sie sich bitte an Frau Maria Urban unter maria.urban@hs-merseburg.de.

 

Bisherige Treffen (chronologisch, jüngstes Treffen zuerst)

Das nächste geplante Treffen des RAK finden statt am 14.11.2018 in Merseburg.(Kontakt über maria.urban@hs-merseburg.de)

 

Statt eines Treffens im September wurde eine Einladung für den Fachtag "Innerfamiliäre sexuelle Grenzüberschreitungen/sexualisierte Gewalt" ausgesprochen.
Nähere Informationen zur Veranstaltung sowie einen Link zum Live-Mitschnitt finden Sie hier.

RAK-Treffen am 30.05.2018

TOP 1 Brainstorming zu Ideen für RAK-Fachtag 2019

mögliche Themen:

  • Sexualisierte Gewalt im Vorschulalter (Erkennen, Umgang, Verfahrensabläufe)
  • Gesprächsführung bei Verdacht (Kinder und Jugendliche, Eltern)
  • „Verdacht an ambulante Helfer abgeben“ Was wird daraus?
  • Trennung betroffene und übergriffige Personen / Umgang mit übergriffigen Personen / Täter*innen
  • Umgang mit Jugendlichen in Einrichtungen (übergriffige wie betroffene)
  • Präventionskonzepte
  • Umgang mit Körperlichkeit / Grenzen
  • Sensibilisierung der Eltern / Gesprächsführung

Wunsch zu Umsetzung: Fachtag Anfang/erstes Halbjahr 2019

noch offen: Soll nur auf ambulante Hilfen geschaut werden oder generell auf HzE?

 

TOP 2 Netzwerkliste
  • gemeinsam wurde Netzwerkliste mit aktuell bekannten Netzwerkpartnern erstellt
  • aus bisheriger Sammlung wird Google-Doc-Dokument hergestellt, was zukünftig von allen RAK-Teilnehmenden ergänzt werden kann

Netzwerkliste
https://docs.google.com/document/d/1dG4g1GBtWb3Tpe9YzYp9TJ4v7_L7NFhTrjn8ksLS91s/edit?usp=sharing

 

TOP 3 Nächste(s) Treffen
  • generell: Moderation der Treffen wird von jeweils gastgebender Stelle
    übernommen
    Einladung zum nächsten Treffen übernimmt vorheriger Gastgeber

Wünsche für Expert*innengespräche:
Wildwasser Halle
Kriseninterventionsteam Landesschulamt

 

RAK-Treffen am 28.02.2018

Zunächst erfolgte eine Vorstellung der bisherigen Forschungsergebnisse.

Im intensiven Austausch beschäftigten sich der RAK anschließend mit folgenden Fragestellungen:

Gruppe 1:

(1) Mit welchen der drei genannten Möglichkeiten der Kenntnis von sexualisierter Gewalt haben Sie Erfahrungen?

Die Teilnehmenden des RAKs haben sexualisierte Gewalt bisher überwiegend als offenes Thema erlebt, also als Thema, dass zu Beginn der Hilfe bekannt war. Dabei kam es zu Fällen sexualisierter Gewalt durch Geschwister, durch Erziehungsberechtigte bzw. Elternteile und neue Parter*innen eines Elternteils. Ebenfalls kam es in einer Hilfe vor, dass sich ein Kind/ein*e Jugendliche*r erst anvertraute und das Thema offen bekannt gab, als die übergriffige Person aus dem familiären Haushalt ausgezogen war.

(2) Welche Arbeitsaufträge haben Sie in diesem Zusammenhang kennengelernt?

Die Arbeitsaufträge der Fachkräfte bezogen sich nicht nur auf vermittelnde Tätigkeit, wie z.B. die gemeinsame Suche nach einem Therapieplatz oder der Kontaktaufnahme zu einer Beratungsstelle. Ebenfalls war es u.a. Auftrag, mit dem_der Klient*in gemeinsam Therapietermine wahrzunehmen, mit Familien an Grenzen zu arbeiten oder den Umgang zwischen Kindern und zuvor übergriffigen Personen zu begleiten.
Es kam auch vor, dass der Übergriff als solches bzw. die Bearbeitung des Themas explizit aus dem Hilfeauftrag herausgenommen wurde.

Eine konkrete Frage, die die Teilnehmenden abschließend formulierten:

Was tun mit dem Bauchgefühl?!

 

Gruppe 2:
(1) Wie sind ihre Erfahrungen in der Arbeit, wenn übergriffige Personen in der Familie sind/Kontakt besteht? Was hat sich da bewährt? Was macht Schwierigkeiten?

Die Erfahrungen der Arbeitsgruppe in einem Hilfeprozess mit einer Familie, in der noch Kontakt zu einer übergriffigen Person besteht oder diese noch im Haushalt lebt, sind geprägt von Unsicherheit und Unwissen. Die Fachkräfte äußerten konkrete Ängste wie beispielsweise die Angst um den Job, vor der Verantwortung und vor „Strafe“, die Angst und die Sorge um die_den Klient*in und die weitere Zusammenarbeit mit ihr_ihm, aber auch die Angst bezüglich der weiteren Perspektive, da nicht absehbar ist, was sich aus der Offenlegung und des Umgehens mit dem Thema Weiteres ergibt.

Konfrontiert sind die Fachkräfte in den entsprechenden Hilfen auch mit rechtlichen Hürden (beispielsweise im Kontext von Minderjährigkeit und Schweigepflicht), mit denen ebenfalls ein hohes Maß an Unsicherheit und Unwissen einhergeht.

Also hilfreich werden kompetente Netzwerke und Ansprechpersonen erlebt. Problematisch dabei ist oft die fehlende Kenntnis darüber, wer die möglichen Ansprechpersonen sind, da es vielfach keine entsprechende öffentliche Wahrnehmung dieser Institutionen/Anlaufstellen gibt bzw. die Fachkräfte keine Kenntnis darüber haben oder nicht wissen, wie sie an Kenntnis gelangen sollen.
Des Weiteren werden vermeintlich zuständige Expert*innen mehrfach als wenig kompetent bzw. im konkreten Fall als nicht hilfreich erlebt.
In den Hilfen erleben sich die Fachkräfte selbst oft nicht kompetent im Hinblick darauf, einen kühlen Kopf zu bewahren. Sie beobachten bei sich und im Team eine fehlende „Normalisierung“ (nicht Bagatellisierung!), die dienlich dazu sein könnte, das Geschehen und Vorgehen objektiv zu betrachten und zu planen. Resultierend daraus kommt es u.a. zur Tabuisierung oder Überforderungssituationen.
Als belastend beschreiben die Teilnehmenden die eigenen Emotionen, die eigene Betroffenheit bei der Konfrontation mit  Vorfällen sexualisierter Gewalt. Diese können mitunter auch Trigger insofern darstellen, als dass Erinnerungen/Belastungen durch eigene Erlebnisse hervorgeholt werden können.

 

(2) Was machte die Arbeit in einem solche Hilfekontext besonders schwierig oder was vielleicht auch nicht. Wie ist die Einrichtung/das eigene Team mit der Offenlegung umgegangen, welche Haltung gibt es bzgl. solcher Hilfen?

Innerhalb ihres Teams erleben die Teilnehmenden des RAKs alle Ausprägungen der Reaktionen, wie sie sie auch zuvor schon beschrieben haben mit Blick auf eine Hilfe, in der die übergriffige Person noch im Kontakt zur betroffenen Person steht.
Erneut werden Hilflosigkeit, Ratlosigkeit und Unsicherheit benannt. In vielen Fällen holen sich die Teams jedoch auch fachliche Unterstützung und nutzen und/oder entwickeln einrichtungsinterne Standards im Umgang mit entsprechenden Situationen. Es werden spezifische Team- und Fallberatungen zum Thema veranlasst, Supervision wird in Anspruch genommen, ebenso wie Coachings oder Unterstützung durch spezialisierte Professionen. Einzelne Teams entscheiden sich auch zu Fort- und Weiterbildungen für einzelne Fachkräfte oder als Gesamtteam.

 

Auftakttreffen am 16.11.17

Topic 1: Womit können Sie/Ihre Einrichtungen den RAK bereichern?
  • Räume
  • Vernetzung (Jugendhilfeausschuss, AG §78)
  • Fälle (überregional)
  • wissenschaftliche Mitarbeit/Zusammenarbeit => Öffentlichkeitsarbeit
  • Infos zu Veröffentlichungen
  • Fallwissen
  • Kooperations- und Hilfepartner
  • interessierte Kolleg_innen mit vielen Fragen
  • Hintergrundwissen

Zusammenfassung Top 1: 

Räume

Fachwissen

Vernetzung / Öffentlichkeit, d.h. Zugang zu Politik, anderen Gremien und interessierten Personen

 

Topic 2: Welche konkreten Themen/Fragen bringen Sie mit? In welcher Form sollten diese (und andere) bearbeitet werden (strukturell, methodisch, organisatorisch)?
  • Fallbeispiele – supervidieren/diskutieren (veröffentlichen)
  • aktuelle Forschungsfragen, -themen, -ergebnisse
  • Umgang mit dem Wissen oder dem Verdacht des sex. Missbrauchs
  • Begleitung zu Therapeut_innen + während der Zeit auf einen Termin zu warten
  • Können wir präventiv noch etwas erreichen/verhindern?
  • Wie kann Aufklärung der Klient_innen aussehen?
  • Arbeit an Kriterien für Abläufe/Schutzkonzepte
  • Arbeiten alle Hilfeerbringenden an dieser Idee mit? (Thematik)
  • „Wie“ soll der RAK wirken – Zielstellung

Zusammenfassung Top 2:

Fälle mit gemeinsamer Reflexion zu eigenem Umgang, eigenen Methoden, eigenen Konzepten und eigenen Haltungen

Prävention

 Netzwerkarbeit / Öffentlichkeit

 

Topic 3: Welche Erwartungen haben Sie an den RAK?
  • durch Erfahrungsaustausch Handlungssicherheit gewinnen
  • Handlungsabläufe/Fallberatung
  • Einbeziehung von „Spezialist_innen“
  • Gibt es schon entsprechende Netzwerke/Strukturen?
  • Wissensgewinnen
  • Erfahrungs-/Erkenntnisgewinn für das Arbeitsfeld ambulante Hilfen
  • wissenschaftliche Untermauerung von Praxiserfahrungen
  • Realitätsabgleich
  • Transparenz – Zusammenarbeit auf Augenhöhe
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • wissenschaftliche Ergebnisse mit Praktiker_innen besprechen

Zusammenfassung Top 3:

Erfahrungsaustausch => für Handlungssicherheit => mit Fallberatungen => gerne interdisziplinär

Theorie-Praxis-Transfer in beide Richtungen

Überblick über das Netzwerk - Who is who?

Austausch zu sexualpädagogischen Konzepten

Teilnehmende am RAK als Multiplikator_innen

Austausch zu Schutzkonzepten => d.h. auch Austausch zu grundlegenden Kriterien

Sensibilisierung der Öffentlichkeit

 

Topic 4: Was sollte auf keinen Fall passieren? Was sollte vermieden werden? 
  • die Brisanz der Thematik versanden lassen
  • vermeintliche Fehler anprangern
  • dass man nicht wiederkommen möchte…
  • nur theoretischer Input/kein theoretischer Input
  • Oberflächlichkeit
  • reine Meckerrunden
  • RAK als Pflicht, nicht als Bereicherung
  • neuer Arbeitskreis, der ggf. zu Themen aktiv wird, die bereits an anderer Stelle bearbeitet werden (könnten)
  • nach ein, zwei Jahren ist alles vorbei
  • unangenehme Redekultur

Zusammenfassung Top 4:

respektvoller Umgang

gutes Verhältnis zwischen Theorie und Praxis

Teilnahme am RAK ist keine Verpflichtung

Fehlerfreundlichkeit

realistischer Umgang mit der Thematik

Fluktuation

 

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